4. FASTENSONNTAG

 

LESUNG AUS DEM ZWEITEN KORINTHERBRIEF (5,17-21)

EVANGELIUM nach Lk (15,1-3.11-32):

 

“Wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat“, sagt Jesus im Joh.Ev. (12,45). In Jesus hat Gott für uns ein Gesicht erhalten. Durch Jesus lernen wir Gott kennen. Wir erfahren, wie Gott zu uns steht. Jesus ist gekommen, um die Vorstellungen von der Beziehung zwischen Gott und Mensch zu revolutionieren. Heute haben wir wieder ein Beispiel dafür, durch die Erzählung von Jesus über diesen Vater und seine beiden Söhne. Jesus stärkt in uns das Bewusstsein, dass wir Kinder, Söhne und Töchter Gottes, sind und dass Gott eine ganze besondere Beziehung zu uns hat und pflegt.

Jesus stellt Gott dar wie einen Vater, der loslassen kann. Er gibt seinen Söhnen und Töchtern die Freiheit. Wenn wir selbstständig sein und unser eigenes Leben führen wollen, wenn wir uns selbst verwirklichen wollen, lässt Gott uns frei, selbst zu entscheiden über Gut und Böse, eigene Wege zu gehen, auch wenn diese Wege von ihm wegführen, von ihm entfremden. Ja, wir haben selbst die Freiheit, ohne Gott zu leben.

Aber durch Lebensumstände, durch Ereignisse machen wir dann vielleicht die Erfahrung, dass es nicht gut ist, dass wir uns von Gott, von unserem Vater, entfernen. Vielleicht wollen wir dann unsere Beziehung zu ihm wieder aufnehmen. Und wie reagiert Gott dann?

Jesus meint: Hab keine Angst. Gott wird dich nicht abweisen, egal wie du gelebt hast und wie viel Mist du gebaut hast. Er wird dir nicht einmal Vorwürfe machen, sondern dich bedingungslos mit offenen Armen aufnehmen. Gott ist nicht einer, der dich für deine Fehltritte bestraft. Er denkt nicht wie der älteste Sohn, der meint: „Mein Bruder wollte doch seine Freiheit haben und in die Welt ziehen. Nun sieht man das Ergebnis: Er hat sein Leben verpfuscht und ist am Ende. Muss mein Vater diesem Hallodri unbedingt um den Hals fallen und ihn mit Ehre und überschwänglicher Festlichkeit überhäufen? Mein Vater ist ungerecht!“ Jesus sagt: „Für Gott ist nur wichtig, dass du zu ihm zurückkehrst. Dann freut er sich.“

Steht der ältere Sohn vielleicht für Christen, die viel für ihren Glauben und die Kirche tun, die meinen: „Wir erfüllen doch fleißig unsere Pflichten, gehen unserer Arbeit nach, führen ein geordnetes Leben.“ Aber sie vertragen nicht, dass diejenigen, die sich weniger oder gar nicht engagieren, bei Gott ebenfalls den gleichen Status haben sollen wie sie selbst; dass auch solche von Gott geliebt werden, wie sie selbst? Gott ist wie eine Mutter, die sagt: „Egal, was meine Kinder im Leben auch anstellen, sogar wenn sie Verbrecher werden, sie werden meine Kinder bleiben. Ich werde sie nicht verstoßen.“

Mit diesem Beispiel gibt Jesus uns eine der schönsten und überwältigendsten Gottesvorstellungen die es gibt. Gott ist nicht ein strafender, ja rächender Gott, wie er sogar auch in der Bibel oft beschrieben wird. Er überhäuft uns nicht mit Vorwürfen, dass wir so sündig sind. Er fordert keine Genugtuung, keine Bußübungen, keine Opfer zur Versöhnung, um ihn wieder gut zu stimmen. Gott verhält sich zu uns, wie ein überglücklicher Vater, der sich narrisch freut, wenn wir zu ihm zurückkehren.

Da denke ich an die Worte, die Paulus in der ersten Lesung in seinem Brief an die Korinther sagt: „Wenn also ein Mensch zu Christus gehört, ist er schon »neue Schöpfung«. Christ sein, an Christus glauben heißt, ein „neuer Mensch“ werden, denn dann denke ich anders über „gerecht sein“, und zwar im Sinne Gottes. Ich lebe im Bewusstsein, von Gott geliebt zu sein, dass ich sein Kind, sein Sohn, seine Tochter, bin und dass Gott möchte, dass es mir gut geht, dass mein Leben gelingt, dass er mir aber die Freiheit lässt, meine Wege zu gehen.

Wenn das aber schief geht, wenn ich mich verirre, wenn ich mich nicht entsprechend meines „Kind-Gottes-Seins“ benehme, kann ich zu ihm zurückkehren. Und selbst wenn ich überzeugt bin, dass ich dann eine Strafe verdient hätte, Gott nimmt mich bedingungslos an. Ich kann mich wieder zu Hause fühlen. Ist es nicht wunderbar schön, an so einen Gott glauben zu können? Mit so einem Gott kann ich leben und zwar in tiefer Freude..

Zum Archiv